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Tafel IV · Österreich & die Seychellen

Zwei Welterbe

Vallée de Mai und Aldabra. Warum ein Land, das sein eigenes Erbe hütet, versteht, wie die Seychellen ihres hüten.

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Zwei Welterbe, eine gemeinsame Idee.

Ein Land, das sein Erbe kennt

Österreich weiß, wie man Erbe hütet. Die Altstädte von Wien, Salzburg und Graz, die Kulturlandschaft der Wachau, die Semmeringbahn, das Dorf Hallstatt am See. All das steht auf der Liste des UNESCO-Welterbes, und die Österreicher sind stolz darauf, oft auch streng damit. Ein Balkon in der falschen Farbe kann in Salzburg zum Politikum werden. Dieses Gefühl für den Wert des Bewahrten ist eine gute Voraussetzung, um zu verstehen, was die Seychellen mit ihrem Erbe tun.

Das erste Welterbe: Vallée de Mai

Auf Praslin, der zweitgrößten Insel, liegt in einem Tal ein Wald, wie es ihn nirgends sonst gibt. Das Vallée de Mai steht seit 1983 auf der Liste der UNESCO. Hier wächst die Coco de Mer, eine Palme, deren Frucht die größte Samenfrucht der ganzen Pflanzenwelt ist, bis zu zwanzig Kilogramm schwer. Der Wald ist ein Rest jener Vegetation, die diese Inseln bedeckte, bevor Menschen kamen. Man geht auf schmalen Wegen hindurch, hört seltene Vögel, und versteht schnell, warum dieser Ort geschützt ist. Der Zutritt ist gegen Eintritt geregelt, damit der Wald der Wald bleibt.

Das Vallée de Mai auf Praslin
Das Vallée de Mai auf Praslin, UNESCO-Welterbe seit 1983, Heimat der Coco de Mer.

Das zweite Welterbe: Aldabra

Das andere Welterbe der Seychellen sieht kaum ein Reisender, und das ist Absicht. Aldabra ist ein riesiges Korallenatoll, mehr als tausend Kilometer von Mahé entfernt, seit 1982 auf der Welterbe-Liste. Auf ihm leben rund hunderttausend Riesenschildkröten, die größte solche Population der Erde, größer noch als jene der Galápagos-Inseln. Aldabra hat keine Hotels, keine Straßen, kaum Menschen. Wer hin will, braucht eine seltene und teure Expedition. Für die meisten bleibt es ein Ort, den man kennt, ohne ihn je zu betreten. Auch das ist eine Form des Schutzes.

Das Aldabra-Atoll
Das Aldabra-Atoll, UNESCO-Welterbe seit 1982, mit der größten Riesenschildkröten-Population der Welt.

Warum die Coco de Mer so besonders ist

Die Coco de Mer ist mehr als eine große Nuss. Ihre Palmen wachsen langsam, über Jahrzehnte, und tragen erst nach vielen Jahren Frucht. Männliche und weibliche Bäume sind getrennt, die reife Frucht kann zwanzig Kilogramm wiegen und braucht Jahre zum Reifen. Über Jahrhunderte kannte niemand ihren Ursprung. Die Nüsse trieben an fernen Küsten an, und Seefahrer hielten sie für Früchte eines Baumes am Meeresgrund, daher der Name Meereskokosnuss. Erst als man das Vallée de Mai fand, war das Rätsel gelöst. Der Wald ist einer der wenigen Orte der Welt, an dem diese Palme in großer Zahl in freier Wildbahn steht.

Aldabra, ein Labor der Evolution

Aldabra ist nicht nur wegen der Schildkröten geschützt. Das Atoll ist so abgelegen und so schwer zugänglich, dass die Evolution hier weitgehend ungestört weiterlief. Auf Aldabra lebt der Aldabra-Rallenvogel, der letzte flugunfähige Vogel des westlichen Indischen Ozeans, ein Verwandter jener Arten, die anderswo längst verschwunden sind. Riffe, Mangroven und ein großer Binnensee bilden ein geschlossenes System. Forscher sprechen von einem lebenden Labor. Für die Seychellen, ein Land mit knappen Mitteln und großer Verantwortung, ist der Schutz dieses Ortes eine stille Leistung, auf die man stolz sein darf.

Wie die Seychellen ihr Erbe hüten

Die Seychellen stellen einen großen Teil ihrer Land- und Meeresfläche unter Schutz. Nationalparks, Meeresschutzgebiete, Vogelreservate. Für ein kleines Land mit knappen Mitteln ist das eine bemerkenswerte Entscheidung. Sie kostet kurzfristig Einnahmen und bringt langfristig das, was den Wert der Inseln ausmacht: eine Natur, die noch da ist. Ein Österreicher, der weiß, was es heißt, ein Ortsbild gegen den schnellen Euro zu verteidigen, erkennt diese Haltung wieder.

Was das für Ihre Reise bedeutet

Konkret heißt Schutz, dass Sie sich an Regeln halten. Im Vallée de Mai bleiben Sie auf den Wegen. Beim Schnorcheln fassen Sie die Korallen nicht an. Riesenschildkröten sind zum Ansehen da, nicht zum Reiten. Diese Regeln sind kein Verlust, sondern der Grund, warum es überhaupt etwas zu sehen gibt. Wer sie achtet, reist als Gast, nicht als Verbraucher.

Auch Österreich hat Naturerbe

Man vergisst leicht, dass Österreichs Welterbe nicht nur aus Schlössern und Altstädten besteht. Zu den transnationalen Weltnaturerben der alten Buchenwälder Europas gehören auch österreichische Gebiete, etwa im Wildnisgebiet Dürrenstein. Es sind Reste jener Urwälder, die einst weite Teile Mitteleuropas bedeckten, so wie das Vallée de Mai ein Rest des alten Seychellenwaldes ist. Zwischen einem mitteleuropäischen Buchenurwald und einem Palmental im Indischen Ozean besteht mehr Verwandtschaft, als man denkt. Beide sind Fenster in eine Zeit vor dem Menschen, und beide überleben nur, weil jemand entschieden hat, die Hand von ihnen zu lassen.

Zwei Länder, dieselbe Idee

Zwischen dem Erbe der Wachau und dem Erbe von Aldabra liegt eine halbe Erdkugel, und doch steckt in beiden derselbe Gedanke. Manche Dinge gehören nicht dem Augenblick und nicht dem Gewinn, sondern der Zeit. Ein Kloster, ein Weinberg, ein Tal voller Palmen, ein Atoll voller Schildkröten. Man erbt sie, nutzt sie mit Maß, und gibt sie weiter. Österreich hat diese Idee früh in Gesetze gegossen. Die Seychellen leben sie auf ihre Weise. Das ist die tiefste Gemeinsamkeit der beiden Länder, tiefer als jedes Abkommen.

FAQHäufige Fragen
Kurz und ehrlich beantwortet

Was Leser oft fragen.

Wie viele UNESCO-Welterbestätten haben die Seychellen?

Zwei, beide Naturerbe: das Vallée de Mai auf Praslin, seit 1983, und das Aldabra-Atoll, seit 1982.

Kann ich beide besuchen?

Das Vallée de Mai ja, es ist über einen geregelten Wanderweg gegen Eintritt zugänglich. Aldabra praktisch nicht, es ist nur über seltene, teure Expeditionen erreichbar.

Was ist die Coco de Mer?

Die größte Samenfrucht der Pflanzenwelt. Sie wächst wild nur auf den Seychellen, vor allem im Vallée de Mai. Ausfuhr und Handel sind streng geregelt.

Warum ist Aldabra so wichtig?

Es beherbergt rund hunderttausend Riesenschildkröten, die größte Population der Welt, und ist als Atoll fast unberührt geblieben. Deshalb steht es unter strengem Schutz.

Darf ich eine Coco de Mer als Souvenir mitnehmen?

Nur mit offizieller Genehmigung und Zertifikat. Der Handel ist geregelt, um die Art zu schützen. Kaufen Sie ausschließlich bei lizenzierten Stellen.

Quellen & Hinweis zur Ehrlichkeit

  1. UNESCO World Heritage Centre, Vallée de Mai Nature Reserve (1983). https://whc.unesco.org/en/list/261/
  2. UNESCO World Heritage Centre, Aldabra Atoll (1982). https://whc.unesco.org/en/list/185/
  3. Seychelles Islands Foundation, Verwaltung von Aldabra und Vallée de Mai. https://www.sif.sc/