Coco de Mer, Aldabra & die endemischen Arten der Seychellen
Was nirgendwo sonst auf der Erde wächst. Eine Reportage aus dem lebendigen Herbarium der Seychellen.
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Die Seychellen sind nicht nur eine Inselgruppe, sondern ein eigenes Ökosystem. Manche Pflanzen und Tiere gibt es nirgendwo sonst auf der Welt. Diese Reportage führt Sie durch das, was Sie mit etwas Glück und einem guten ortskundigen Guide auf den Inseln finden können.

Der Coco de Mer — die größte Frucht der Welt
Eine Frucht von bis zu 30 Kilogramm, in Form eines doppelten Kokosnuss-Herzens, mit dem größten Samen der Pflanzenwelt. Sie wächst wild nur auf den Seychellen, vor allem im Vallée de Mai auf Praslin, im benachbarten Fond Ferdinand und auf der Insel Curieuse. Die Palme wird 30 Meter hoch, die Frucht reift sieben Jahre, und sie hat — die Seychellois schwören es — aphrodisische Eigenschaften.

Die Takamaka — der Baum, der die Seychellen definiert
Calophyllum inophyllum, ein großer Baum mit ledrigen Blättern, der die Strände der Seychellen säumt. Das Holz ist hart und wasserfest, das Öl aus den Früchten wird traditionell als Heilmittel verwendet. Eine alte Takamaka ist oft hundert Jahre alt.

Die Kannenpflanze — die einzige fleischfressende Pflanze der Seychellen
Nepenthes pervillei, die Seychellen-Kannenpflanze, wächst nur hier, auf den höchsten Granitgipfeln von Mahé und Silhouette. Sie ist die einzige fleischfressende Pflanze der Inseln und fängt Insekten, vor allem Ameisen, in ihren krugförmigen Fallen. Auf kahlem, sonnenheißem Fels zwischen 350 und 750 Metern Höhe gedeiht sie dort, wo kaum eine andere Pflanze Halt findet, ein Zeichen dafür, wie eigenständig sich das Leben auf diesen uralten Granitinseln entwickelt hat.
Der Jellyfish Tree — die seltenste Pflanze der Seychellen
Medusagyne oppositifolia, der Jellyfish-Baum, wächst auf Mahé — und war 1970 für ausgestorben gehalten. 1979 wurde ein einzelner Baum wiederentdeckt, heute gibt es etwa 50 adulte Exemplare, alle auf Mahé. Sie sehen ihn im Morne Seychellois Nationalpark — fragen Sie Ihren Guide.

Aldabra — die zweitgrößte Koralleninsel der Welt
Aldabra ist eines der größten Korallenriffe der Erde, mit einer Population von etwa 100 000 Riesenschildkröten — der größten der Welt. Aldabra ist UNESCO-Welterbe und für die meisten Reisenden nicht zugänglich (keine Touristen, keine Resorts), aber für Taucher ist die Expedition ein Lebenstraum.

Die 12 endemischen Vogelarten
Die Seychellen haben 12 Vogelarten, die nur hier vorkommen. Zu den seltensten zählt der Seychelles Black Paradise Flycatcher (Terpsiphone corvina), mit rund 300 bis 500 Exemplaren, fast alle auf La Digue. Die häufigsten: die Seychelles Sunbird, der Seychelles Bulbul, der Seychelles White-eye.

Die Riesenschildkröten, die man wirklich sieht
Die berühmten Aldabra-Riesenschildkröten leben wild nur auf dem fernen Aldabra-Atoll, doch sehen können Sie sie viel näher. Auf der Insel Curieuse, einen kurzen Bootsausflug von Praslin entfernt, lebt eine frei laufende Population, die man aus der Nähe erlebt. Viele Hotels und Gärten halten einzelne Tiere. Diese Schildkröten werden über hundert Jahre alt, wiegen bis zu zweihundert Kilogramm und bewegen sich mit einer Würde, die Kinder wie Erwachsene fesselt. Anfassen ja, wenn erlaubt, aber sanft und ohne sie zu bedrängen.

Die Meeresschildkröten
Zwei Arten nisten auf den Seychellen, die Grüne Meeresschildkröte und die Echte Karettschildkröte. Auf einigen geschützten Inseln kommen die Weibchen nachts an den Strand, um ihre Eier zu legen, meist zwischen Oktober und Februar. Beim Schnorcheln begegnet man den Tieren das ganze Jahr. Halten Sie Abstand, folgen Sie ihnen nicht und leuchten Sie nistende Tiere niemals an. Wer Glück hat und Rücksicht nimmt, erlebt einen der eindrucksvollsten Momente einer Seychellenreise.

Fruchtfledermäuse, Geckos und die kleinen Bewohner
Am frühen Abend füllt sich der Himmel mit großen Fruchtfledermäusen, den Flughunden der Seychellen, die zwischen den Bäumen segeln. Sie sind harmlos und gehören zum Klang der Dämmerung. Tagsüber sieht man leuchtend grüne Taggeckos an Hauswänden und Palmstämmen, dazu bunte Skinke, die über die Wege huschen. Auf bloßen Ästen brüten die weißen Feenseeschwalben, die ihr einziges Ei ohne Nest balancieren. Diese kleinen Bewohner sind überall und kosten keinen Eintritt, man muss nur hinsehen.

Der Coco de Mer und der geregelte Handel
Die Coco de Mer steht unter strengem Schutz. Der Handel mit den Nüssen ist international geregelt, jede legal verkaufte Nuss trägt ein Zertifikat und einen Stempel. Kaufen Sie ein solches Souvenir ausschließlich bei lizenzierten Stellen und bewahren Sie das Zertifikat für die Ausreise auf. Wilde Nüsse aufzuheben und mitzunehmen ist verboten. Dieser Aufwand hat einen Sinn, er hält den Druck von einer Art, die es nur hier gibt und die sonst längst geplündert wäre.
Warum die Seychellen so viele einzigartige Arten haben
Der Grund für die vielen Endemiten liegt in der Geschichte der Inseln. Die granitischen Seychellen sind uralt, sie brachen vor Urzeiten von einem großen Südkontinent ab und trieben allein in den Indischen Ozean. Anders als vulkanische oder korallene Inseln, die jung sind und immer wieder neu besiedelt werden, trugen die Granitinseln von Anfang an Leben mit sich und ließen es über Jahrmillionen ungestört seinen eigenen Weg gehen. So entstanden Pflanzen und Tiere, die es nur hier gibt, die Coco de Mer, eigene Vögel, eigene Frösche, eigene Palmen. Diese Isolation ist ein Geschenk und eine Verwundbarkeit zugleich, denn was nur an einem Ort vorkommt, kann auch nur an einem Ort verloren gehen. Genau deshalb ist der Schutz auf den Seychellen so streng, und genau deshalb lohnt es sich, mit offenen Augen zu reisen.

Die endemischen Vögel aus der Nähe
Zwölf Vogelarten kommen nur auf den Seychellen vor, und mehrere davon lassen sich mit etwas Geduld gut beobachten. Der Seychellen-Rohrsänger wurde vom Rand des Aussterbens zurückgeholt und ist heute auf mehreren Inseln wieder häufig. Der schwarze Papagei lebt in den Palmenwäldern von Praslin und ist das nationale Symbol der Inseln. Der seltene Schwarze Paradiesschnäpper hält sich fast nur im Veuve-Reservat auf La Digue, ein kleiner Wald, der eigens für ihn geschützt wird. Der Elster-Schnäpper, einst fast verloren, brütet wieder auf einigen geschützten Inseln. Diese Erfolge zeigen, dass Schutz wirkt.

Wo der Wald noch ursprünglich ist
Nur an wenigen Orten hat sich der alte Wald der Seychellen erhalten. Das Vallée de Mai auf Praslin ist der berühmteste, dicht daneben liegt der Fond Ferdinand mit ähnlichem Bestand und weiten Ausblicken. Auf Mahé bewahrt der Morne-Seychellois-Nationalpark Reste des Bergregenwaldes, mit Wanderwegen und seltenen Pflanzen. Auf La Digue schützt das kleine Veuve-Reservat den Lebensraum des Paradiesschnäppers. Diese Orte sind keine Kulisse, sondern lebende Reste einer Welt, die es vor dem Menschen gab. Wer sie mit einem guten Führer besucht, sieht mehr als der eilige Besucher je bemerkt.
Wo Sie diese Tiere und Pflanzen sehen können
Coco de Mer: im Vallée de Mai auf Praslin und im Fond Ferdinand. Takamaka: an fast jedem Strand. Riesenschildkröten: frei auf Curieuse, einzeln in vielen Gärten. Meeresschildkröten: beim Schnorcheln, nistend auf geschützten Inseln. Endemische Vögel: überall, mit einem guten Vogelführer auf La Digue am besten. Flughunde: jeden Abend in der Dämmerung. Für die seltensten Arten lohnt ein ortskundiger Naturführer, fragen Sie uns, wir vermitteln den richtigen.
Was Leser oft fragen.
Kann ich Aldabra besuchen?
Ja, aber nur über eine teure Expedition (ca. 5 000 – 8 000 € pro Person für 7 Tage). Die meisten Reisenden begnügen sich mit Curieuse, wo ebenfalls Riesenschildkröten leben.
Wo sehe ich die endemische Kannenpflanze?
Auf den höheren Wanderwegen des Morne-Seychellois-Nationalparks auf Mahé, am besten mit einem ortskundigen Führer. Sie wächst auf kahlen Felsflächen nahe den Gipfeln.
Wo kann ich Vögel beobachten?
La Digue hat die größte Vielfalt. Es gibt einen lokalen Bird-Guide, der morgens Touren macht. Fragen Sie uns.
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